Devilicious

Süßer die Bücher nie klingen

Mittwoch, 6. Dezember 2006 von Stefan

Eine der größten Perversionen der vergangenen 45 Minuten. Beim Hörbuchsurfen durch Audible.de, einem großen Downloadportal für das gesprochene Wort. In drei, von „high-fidelity“ weit entfernten, Kompressionsstufen steht es dort zum Verkauf und wartet auf Kunden, die bereit sind den horrenden Audible-Preis zu zahlen oder wie ich eins von diesen 14,95-€-Sparabos abgeschlossen haben, die verdächtig an die Geschäftspraktiken einiger großer Klingentonvertreiber zu erinnern vermögen.
Nichts ahnend, irgendwo zwischen Hakan Nesser und Susanne Fröhlich, klickte ich mich also durch die 472 Suchergebnisse, die ein Klick auf „Neu & Hörenswert“ zu Tage förderte. Und da sah ich sie: die Bibel – als Hörbuch. Noch dazu klassifiziert als „Belletristik“ – ein Terminus, den ich bisher immer mit Unterhaltungsliteratur assoziiert habe.

Ich bin schockiert. Ohne jemandem zu nahe treten zu möchten, aber Unterhaltung und Katholizismus in einem Satz würden zwangsläufig zu einem Oxymoron, einem Widerspruch in sich, führen.

Beim weiteren Durchforsten des Audible-Kataloges bin ich dann noch auf die Neuerscheinung „Bio – Mein Leben“ gestoßen, nicht etwa einem Kochbuch für Liebhaber von Biogemüse sondern die Memoiren von Alfred Biolek, von der Brigitte zum „inoffiziellen Geschmacksweltmeister“ gekürt. Da ich selbst nie ein großer Freund von Bioleks Brat- und Brabbelattacke war, überlegte ich kurz meinem Großvater (89) dieses Meisterwerk zu teil werden zu lassen, verwarf diesen Gedanken in Ermangelung eines geeigneten Wiedergabegeräts im Fundus meines Großvaters schnell wieder.

Für heute Abend werde ich wohl Martin Luther gegen Oscar Wilde eintauschen und Biolek auf die Wunschliste verbannen – falls ich mal gar nicht weiß, was ich kaufen könnte. „Das Bildnis des Dorian Gray“, wie alles von Künstlern die bereits tot sind ein Klassiker, habe ich zwar ungelesen in Print hier liegen, aber irgendwie komme ich ja doch nicht dazu es zu lesen.

Für die Erfindung des iPods würde ich Steve Jobs und die Firma Apple Computer in mein heutiges Gebet einschließen, würde ich denn Beten. Aber auch dies kann ja jetzt der iPod tun, dank der vertonung der Bibel und dem ZDF-Gottesdienstpodcast “GodPod”. Amen.

Leave a Reply

Proudly powered by WordPress.
Copyright © Devilicious. All rights reserved.